Selbstverständnis des Vereins


Einer der ältesten Verschönerungsvereine Deutschlands
Anspruch mehr stadtgestalterischer denn touristischer Art
Erste Bürgerinitiative der Stadt
Keine parteipolitische oder ideologische Ausrichtung



Zur Zeit seiner Gründung war der Verschönerungsverein einer der ersten Vereine dieser Art im Deutschen Reich. Schon in den allerersten Jahren seines Wirkens wurde die Kunde über seine Leistungen im ganzen Königreich Württemberg verbreitet, was die Gründung einer Vielzahl von vergleichbaren Nachfolgevereinen brachte. Insbesondere ist der Zusammenschluss von Verschönerungsvereinen aus Städten am Albtrauf, aus dem später der Schwäbische Albverein wurde, auf das erfolgreiche Wirken des Stuttgarter Verschönerungsvereins in seiner Stadt zurückzuführen. Hierüber hat der Historiker Jürgen Hagel in der Publikation Verschönerungsvereine in Südwestdeutschland (Link) berichtet. (Schriftenreihe des Verschönerungsvereins, Band 1, Stuttgart 1994).

Der Anspruch des Vereins war stets eher stadtgestalterischer Art, denn als touristischer Art. Der Fremdenverkehr im klassischen Sinne war in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht so weit verbreitet, an Verschönerungsaufgaben im engeren Sinne bestand aber kein Mangel. Das aktuelle Selbstverständnis des Verschönerungsvereins ist natürlich geprägt von den ersten 40 Jahren seiner Vereinsgeschichte, als er faktisch die Funktion des städtischen Gartenbauamtes innen hatte. Mehr hierzu lesen Sie in der Geschichte des Vereins von 1861 bis 1902.

Unter den Vereinsgründern fanden sich viele Gemeinderäte und städtische Beamte. Alle Oberbürgermeister Stuttgarts waren und sind während ihrer Amtszeit und darüber hinaus Mitglied des Vereins gewesen. Während in den ersten 50 Jahren der Vereinsgeschichte die Schaffung von neuen Anlagen und die Verschönerung im engeren Sinne die Hauptaufgabe des Vereins war, bei der er sich weder ausschließlich von modernistischen Strömungen, noch von traditionalistischer Garten- und Landschaftskultur leiten ließ, war der Verein in den 20-iger und 30-iger Jahren des 20. Jahrhunderts eher ein Publikumsverein mit vielfältigem Veranstaltungsprogramm (und vielleicht so etwas ähnliches wie ein Stuttgarter Heimatbund).

Seit seinem 100-jährigen Vereinsjubiläum beschäftigt und befasst sich der Verein zunehmend auch mit Stellungnahmen und Anregungen. Insoweit vertritt er die Grundlinie, die Politik der kommunalen Entscheidungsträger im Gemeinderat und Verwaltung nicht mit kritischer Distanz zu begleiten, sondern konstruktiv-kritische Nähe zu suchen, die sich gleichwohl stets parteipolitischen oder ideologischen Vereinnahmungen widersetzt.

Die Grundlinie der Arbeit mit Stellungnahmen und Anregungen lautet, dass der Sachverstand des Vereins eingebracht wird auf den Gebieten, in denen der Verein über solchen Sachversand verfügt, und wir uns selbst nicht kompetent auf allen Gebieten fühlen wollen. Auf den Gebieten, auf denen wir über kompetente Vereinsmitglieder verfügen, melden wir uns allerdings zu Wort und versuchen die kommunalpolitische Entscheidung im Vorfeld in dem von uns für richtig erkannten Sinne zu beeinflussen.

Ist dann allerdings eine Entscheidung gefallen, gehören wir nicht zu denjenigen, die diese auf dem Rechtsweg oder dergleichen wieder beseitigen wollen. Wir haben nämlich die Erfahrung gemacht, dass es wesentlich bessern Ertrag verspricht, die politisch gefallene Entscheidung zu akzeptieren und in der Umsetzungsphase zu versuchen, an der einen oder anderen Stelle ein positives Element einzubringen.

In diesem Sinne sind wir weiterhin die erste Bürgerinitiative der Stadt, aber ohne eigenständige Prozessabteilung, dafür mit möglichst vielen Fachleuten und einem Draht zu Entscheidungsträgern, den jedenfalls wir uns als möglichst kurz wünschen würden (was der Draht nicht selten auch beherzigt).

Die Geschichte des Vereins und seiner Leistungen im Anlagenbau und der Stellungnahmen, die er in der Vergangenheit abgegeben hat (hierzu mehr unter historischen Äußerungen), zeigt eigentlich, dass es nicht zum Schlechten der Stadt war, wenn Sie unseren Ratschlägen und Empfehlungen gefolgt ist. Wir bemühen uns, dass das auch in Zukunft so bleibt.


Erhard Bruckmann
Vorsitzender