Planungsgeschichte des Killesbergturms


Die Bundesgartenschau Stuttgart 1977, die nach 1939, 1950 und 1961 schon die vierte deutschlandweite Bauausstellung in Stuttgart innerhalb von knapp 40 Jahren war, erbrachte als bleibendes Ergebnis die Herstellung eines durchgehenden Grünzuges vom Herzen der Stadt, also von Stiftskirche, Altem Schloss, Schlossplatz, Neuem Schloss, über die ganze Tallängsrichtung hinweg bis zum Neckar im Anschluss an den Park der Wilhelma und den Rosensteinpark. Daß dies historisch gesehen ein einheitlich gestalteter Grünzug war, war in den Wirren der Nachkriegsjahre, in denen wahrhaft wichtigere Aufgaben zu bewältigen waren, im Bewusstsein verloren gegangen.

Hatte die BUGA 1977 den ganzen Tallängsraum erschlossen, so lag es nahe für den nächsten einschlägigen Anlass einen Brückenschlag zu wagen, nämlich den Brückenschlag von der gestalteten stadtnahen Parklandschaft im Tal über den im Stil eines Englischen Park gestalteten Rosensteinpark hinweg zu den neuen Grün- und Parkflächen auf den nordwestlich gelegenen Ausläufern des Azenberges, eben dem Killesbergpark der Reichsgartenschau 1936. Diese Idee des Brückenschlages haben visionäre Park- und Grünplaner im Stadtplanungsamt der Stadt und der nicht minder bedeutende Garten- und Landschaftsarchitekt Prof. Hans Luz in den 80-iger Jahren mit dem Stichwort des Grünen U umschrieben.

Warum diese Parkgestaltung mit einem Buchstaben beschrieben wird, wird aus einem Blick auf den Stadtplan (oder den IGA-Plan in der Bildergalerie) augenfällig. Es ist nicht ganz streng genommen ein U, aber die auf dem Kopf stehende Figur mit dem hinauf geschwungenen Band im Nesenbachtal, dem Querbogen über den Rosensteinpark, und dem wieder in den Süden strebenden Parkbereich über das Wartberggelände hin zum Killesbergpark machen die Namensgebung augenfällig. (Hans Lutz war seit seinen frühen Jahren im Beruf ein treues, kompetentes, kreatives und uneigennützig mitwirkendes Mitglied zunächst im Verein und bald im Vereinsausschuss für viele Jahre bis 2004).

Eine der klugen Ideen der Planungsgruppe der Stadt und von Prof. Hans Luz, der den städtebaulichen Realisierungswettbewerb zur IGA 1993 gewann, war es, am Standort des früheren Aussichtsturms in Killesbergpark einen neuen Turm zu errichten. Die planerische Intention mit einem Turm an diesem Standort verdeutlichen am besten die in der Bildergalerie gestellten Pläne und Handskizzen von Prof. Hans Lutz, für deren Verwendung auf dieser Internetseite wir ihm herzlich danken.

So wurde der neue Killesbergturm in das Bauprogramm der IGA 1993 aufgenommen und es herrschte allseits Eitel Freude über den zu erwartenden Zuwachs an Aussichtsmöglichkeiten.

Indes trat – auch durch die Wiederherstellung der Deutschen Einheit bedingt – in den öffentlichen Kassen auf allen Ebenen Anfang der 90-iger Jahre eine gewisse Entleerung zu Tage. Schon 1992 kam man beim Nachrechnen auf die Idee, dass zwar eine Panoramabahn für etwa 9 Monate eine vernünftige Investition sei, aber ein Aussichtsturm für etwa ein Drittel der Investitionskosten, der auch 10 oder 20 Jahre dort stehen könne, eigentlich verzichtbar wäre. Von solchem guten Rate – und einer gewissen Kassenebbe – getrieben entschied der Gemeinderat der Stadt Stuttgart im April 1992, den Bau des Aussichtsturmes im Killesbergpark ad acta zu legen und zu streichen. Nur wenige Stunden nach dieser Entscheidung rief der Chefplaner der IGA, Prof. Hans Luz, beim damaligen Vorsitzenden des Verschönerungsvereins an, und fragte, ob nicht vielleicht der Verschönerungsverein das Projekt in die Hand nehmen könne und wolle und durch Spendenaufrufe die Realisierung noch zu sichern vermöge.

Nun hat der Verschönerungsverein in seiner Geschichte zwar schon viel geleistet, doch es überstieg dann doch seine Kräfte, innerhalb weniger Monate war die Investitionssumme von doch mehreren Millionen DM nicht zu stemmen. Deshalb fand die IGA 1993 ohne den als ihren krönenden Abschluss geplanten Aussichtsturm statt.

Zur Finanzierung und zum Bau des Turmes lesen Sie mehr ... hier.


Erhard Bruckmann
Vorsitzender



Bildergalerie

Unter "weiter" öffnet sich die Seite mit dem Plan der IGA und einer Skizze von Prof. Luz.

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