Keine Schließung des Killesbergparks


Stellungnahme des Verschönerungsvereins gegen die Schließung des Höhenparks Killesberg
verfasst von einer Vereinskommission unter der Leitung von Prof. Hans Luz im November 2001


Die Initiatoren und Befürworter der Schließung des Höhenparks Killesberg missachten, ignorieren oder wissen einfach nicht, dass der Killesbergpark seit der IGA 93 ein Teil des vom Schlossplatz bis zum Kräherwald reichenden Gesamtparks "Grünes U" ist.

Dieser Park ist in einem langwierigen Prozess durch das zielstrebige Wirken mehrerer Generationen Stuttgarter Bürger und Planer zustandegekommen und mit der Eröffnung des vom Verschönerungsverein gebauten Aussichtsturmes in diesem Sommer fertiggestellt worden. Ein Park von erheblichem Ausmaß, aber auch mit einer erstaunlichen Erlebnisvielfalt. Ein auch gartenkulturell interessanter Park, bei dem weite Teile ihren Grundcharakter behalten haben, der so Gestaltungselemente aus unterschiedlichen Zeitepochen enthält.

Dass es die geschäftigen Stuttgarter geschafft haben, aus Überkommenem und Neugestaltetem einen solch großen zusammenhängenden Park von der Innenstadt hinunter zum Neckar und herauf zum Killesberg und Kräherwald zu schaffen, wird inzwischen weit über unsere Landesgrenzen hinaus von der Fachwelt und allen an Gartenkunst Interessierten anerkannt und bewundert. Sein Zustandekommen verdankt der Park u.a. auch mehreren Gartenschauen (1939, 1950, 1961, 1977 und zuletzt vor allem der IGA '93).Das wichtigste Kriterium bei der Vergabe des IGA nach Stuttgart war, dass dadurch Staatl. Anlagen und Killesberg zu einem Gesamtpark verbunden wurden. Mit den Grundstücken Wartberg und Leibfried allein hätte es den Zuschlag wohl nicht gegeben.

Und nach der IGA haben engagierte Bürger, Mitglieder des Verschönerungsvereins, die den Wert dieser Parkanlage erkannt haben, den von der Stadt durch den Park führenden Weg weitergeführt in den Wald und die freie Landschaft und als Weg "vom Schloss zum Schlössle" ausgeschildert. Auch dieser Wald ist nicht irgendein normaler Wald, sondern ist von einer aufgeschlossenen und vorausschauenden Forstverwaltung vom reinen Wirtschaftswald in einen Erholungswald weiterentwickelt worden, u.a. mit vielen aus der historischen Zeit der Beweidung überkommenen, interessanten und frei gestellten Vegetationsbildern.

Dies ist ein durch die Idee ehrenamtlich tätiger Bürger zustandegekommenes, beachtenswertes und bislang wohl auch einmaliges Beispiel für die Verknüpfung und Ergänzung von Garten- und Landschaftskultur.

Die abstrahierte Form der Planfigur: ein streng geformtes grünes U, übergehend in fingerartig aufgefächerte Formen der Waldlandschaft, bekränzt mit einer vierzackigen Krone für das neue Schloss und einer dreizackigen für das Bärenschlössle symbolisiert als Zeichen diese für Stuttgart so wertvolle Situation und ist als Wetterfahne auf dem Aussichtsturm weithin sichtbar.

Die gelungene räumliche und durch nahtlose Brücken- und Wegeverbindungen erfolgte Zusammenführung der Einzelbereiche zu einem Gesamtpark ist aber für die Betreuung, Pflege und Sicherheit noch nicht nachvollzogen. Grund dafür sind wohl die unterschiedlichen Besitzverhältnisse und Zuständigkeiten. Die staatlichen Anlagen werden von der Wilhelma professionell, gut und in sich einheitlich gepflegt. Bei den städtischen Anlagen besteht ein eklatanter Unterschied bei Pflege und Betreuung des Höhenpark Killesberg einerseits und dem Leibfriedschen Garten und dem Wartberg andererseits.

Und nun denken Gartenamt und Verwaltung der Stadt Stuttgart daran, den Killesberg durch Einzäunen, Absperren und Erheben von Eintrittsgeldern noch besser pflegen und schützen zu können. Sie nehmen ihn dabei aber aus dem Gesamtverbund heraus.
Dies widerspricht der angestrebten und durch den Turmbau des Verschönerungsverein erst in diesem Sommer fertiggestellten Gesamtkonzeption.

Bei der Planung der Verbindung vom Rosensteinpark zum Killesberg zur IGA 93 war in dem steilen, unübersichtlichen Gelände ein wichtiger Ansatz der Konzeption die Schaffung von Aufenthalts- und Kunststationen mit jeweils anders ausgerichteten aber begrenzten Blickrichtungen und Blickwinkeln in die Nähe - auf und in die neuen Gärten - und in die Ferne - auf die Kulisse der Stadt- und Kulturlandschaft - mit einem weiteren Überblick auf dem Kegel im Leibfriedschen Garten und den dann allumfassenden Rundblick auf die ganze Landschaft auf dem Aussichtsturm im Höhenpark. Der Kegel im Leibfrieschen Garten mit den Texten von Karlheinz Fuchs zur Stadt- und Landschaftsgeschichte und der Aussichtsturm auf dem Killesberg stehen in einem engen konzeptionellen und inhaltlichen Zusammenhang. Der neue Aussichtsturm des Verschönerungsvereins ist ein wichtiger Markierungspunkt für den Gesamtpark und Bindeglied für den Übergang von den innerstädtischen Parkanlagen zum Wald und der freien Landschaft.

- Leibfried, Stationenweg und Aussichtsturm als Endpunkt sollen nun durch Zaun und Kassenhäuschen voneinander getrennt werden.

- Der Weg "vom Schloss zum Schlössle" wird an einem für das Erleben der Stadt- und Kulturlandschaft bedeutendem Ort und Bereich unterbrochen. Wer ihn dennoch gehen will, muss beim Naturfreundehaus den Park verlassen, die viel befahrene Stresemannstraße überschreiten und an ihr entlang gehen. Damit verliert er seinen großen Wert eines von Verkehr ungehinderten Weges von der Stadt hinaus in den Wald und scheidet auch für die Stadtwerbung aus.

- Die Mitglieder und Spender des Verschönerungsvereins haben keinen ungehinderten Zugang mehr zu ihrem Turm. Die Eintritteinnahmen werden erheblich nachlassen, weil weniger Besucher kommen und die Bereitschaft, noch einmal zu zahlen, nachlassen wird. Angesichts der enormen Leistung, die die Mitglieder des Verschönerungsvereins als ehrenamtliche Leistungen zum Wohle aller Bürger der Stadt erbracht haben, eine unglaubliche Zumutung.

- Der Park dient auch vielen Berufstätigen am Killesberg und dem nahen Pragsattel als Erholungsort in der Mittagspause (S. 50 Jahre Bundesgartenschauen, Beitrag des Garten- und Friedhofsamtes, Seite 147).

- Die sehr unterschiedliche Betreuung und Pflege von Höhenpark einerseits und Wartberg / Leibfriedscher Garten andererseits wird fortgesetzt und eher noch verstärkt.

- Vandalismus bei Nacht und insbesondere Graffitisprayen kann wahrscheinlich nicht unterbunden werden. Ein Durchschlupf findet sich immer.

Auf die ohnehin sehr teuren Absperrungen sollte aus all diesen Gründen verzichtet werden.
Mit Toren und Kassenhäuschen würde das mühsam zustandegekommene Grüne U wieder in seine Einzelteile zerrissen. Es würde seinen Wert und seine Bedeutung' als großer Park von der Innenstadt zum Kesselrand mit einer Weiterführung in die freie Landschaft verlieren.

Wert und Bedeutung des Grünen U können nur bestehen, wenn es weiterhin von allen Seiten und innerhalb überall frei zugänglich ist und als Gesamtpark gesehen und betrachtet wird. Die sicher in allen Bereichen bestehenden großen Probleme wie Beschädigungen, Vandalismus, Graffiti, Pflanzenklau, Rad fahren, Skaten, Hunde usw. usw. sollten daher nicht nur isoliert allein für den Killesbergpark sondern auch für den Wartberg und Leibfriedschen Garten und insgesamt für den ganzen Park erfasst, untersucht und angegangen werden.

So ist es nach der räumlichen Zusammenführung der Einzelbereiche zu einem an die freie Landschaft angeschlossenen Gesamtpark dringend notwendig, dass Land, Stadt und Bürger gemeinsam für die Pflege, Sicherheit und Weiterkultivierung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Situationen eine Konzeption entwickeln, die insgesamt zu einer den Gesamtpark umfassenden Parkordnung führt.